CURATED ORIGINALS

50 Jahre Audemars Piguet Royal Oak: Ein Fliegendes Tourbillon aus Titan

Fünfzig Jahre nachdem Gérald Genta die Royal Oak über Nacht skizzierte, erhält sie eine unverkennbar moderne Neuinterpretation: ein fliegendes Tourbillon in federleichtem Titan. Statt des ikonischen Tapisserie-Zifferblatts setzt diese Jubiläumsedition von 2022 auf ein sandgestrahltes blaues Zifferblatt und rückt so das freiliegende Tourbillon ins Zentrum. Der Beweis, dass selbst eine 1972 geborene Ikone noch Raum zur Weiterentwicklung hat – ohne je zu verlieren, was sie zur Ikone gemacht hat.

4 Minuten

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Ein Design, das die Uhrmacherei veränderte

Die Geschichte der Royal Oak begann im Jahr 1970, als drei Vertriebspartner von Audemars Piguets die Manufaktur vor die Herausforderung stellten, eine Uhr aus Edelstahl zu entwickeln, die sowohl sportlich als auch elegant ist. Der Geschäftsführer Georges Golay wandte sich an Uhrdesigner Gérald Genta, der noch in derselben Nacht seine erste Skizze anfertigte. Inspiriert von einem Taucherhelm entwarf Genta eine Uhr mit wasserdichtem Monocoque-Gehäuse, auf dem eine achteckige Lünette mit acht sichtbaren, sechseckigen Schrauben aufliegt. Er kombinierte dieses unkonventionelle Gehäuse mit einem integrierten Armband, einem blauen Zifferblatt, das mit dem unverwechselbaren Guilloché-Muster verziert war, das später als „Tapisserie“ bekannt werden sollte, sowie einer aufwendigen Veredelung, bei der der Stahl mit derselben Sorgfalt behandelt wurde, die traditionell Edelmetallen vorbehalten war. Die Umsetzung des Entwurfs erwies sich als schwierig und erforderte zwei Jahre Entwicklungszeit, wobei hochspezialisierte Hersteller mit der Fertigung des Gehäuses, des Zifferblatts und des Armbands beauftragt wurden.

Als die Royal Oak schliesslich im April 1972 auf der Basler Messe ihr Debüt feierte, forderte ihre Kombination aus Edelstahl, Haute Horlogerie Veredelungen, unkonventioneller Gestaltung und beispiellosem Preis die traditionellen Auffassungen einer Luxusuhr heraus. Was als Edelstahl-Uhr mit Zeit- und Datumsanzeige begann, sollte sich in den folgenden Jahrzehnten erheblich weiterentwickeln, als Audemars Piguet die Royal Oak um weitere Grössen, Materialien, Farben und zunehmend komplexe Modelle, darunter die Royal Oak Perpetual Calendar. Das ursprüngliche Design steht dennoch weiterhin im Zentrum, auch nachdem die Kollektion weit über Gentas erste Konzeptidee hinausgewachsen ist.

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Ref. 26730TI.OO.1320TI.01, Ref. 26730ST.OO.1320ST.01 und Ref. 26730OR.OO.1320OR.01. © Audemars Piguet

Im Jahr 2022 feierte Audemars Piguet das 50-jährige Jubiläum der Royal Oak und erweiterte seine berühmteste Kollektion um eine breite Palette neuer Modelle. Darunter befanden sich drei neue Versionen der Royal Oak Selfwinding Flying Tourbillon, die erst zwei Jahre zuvor ihr Debüt gefeiert hatte. 

Auch wenn alle drei Referenzen auf dem 2020 eingeführten Design aufbauen, verfügen sie doch über ein paar Besonderheiten, die speziell für das 50-jährige Jubiläum der Royal Oak entwickelt worden waren.  

Die Royal Oak Selfwinding Flying Tourbillon aus Titan, Ref. 26730TI.OO.1320TI.01, verlieh dieser neuen Generation einen unverkennbar modernen Akzent. Sie vereint die technische Komplexität des Fliegenden Tourbillons mit einer Leichtbauarchitektur und einem zurückhaltenden Zifferblattdesign, das vom berühmten Tapisserie-Muster abweicht. 

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Eine leichtere Ausführung der Royal Oak 

Die vollständig aus Titan gefertigte Ref. 26730TI.OO.1320TI.01 kombiniert ein 41-mm-Gehäuse mit dem für die Royal Oak charakteristischen integrierten Armband aus demselben leichten Metall. Durch das Material wirkt eine Uhr dieser Grösse und Komplexität am Handgelenk spürbar leichter, während sie die abwechselnd satinierten und polierten Flächen beibehält, die seit Langem ein wesentliches Gestaltungsmerkmal der Royal Oak darstellen. Obwohl das Gehäuse ein fliegendes Tourbillon beherbergt, misst es nur 10,6 mm in der Höhe und ist bis auf 50 m Tiefe wasserdicht. 

Die 2022er Modelle, die die Dimensionen der ursprünglichen Selfwinding Flying Tourbillons beibehalten, profitieren dennoch von den Designverfeinerungen, die Audemars Piguet anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Royal Oak in die Kollektion eingeführt hatte. Breitere Fasen an Gehäuse und Armband heben den Übergang von den satinierten zu den polierten Oberflächen hervor, während die ersten Bandglieder des Armbands schrittweise schmaler werden, um sowohl die Proportionen als auch den Tragekomfort am Handgelenk zu optimieren. Audemars Piguet hat den Saphirglasboden ausserdem leicht in das Mittelgehäuse eingelassen, wodurch die Uhr noch angenehmer am Handgelenk aufliegt.

 

Das Tapisserie-Zifferblatt der Royal Oak 

Das Tapisserie-Zifferblatt ist seit dem ersten Modell aus dem Jahr 1972 eng mit der Royal Oak verbunden. Das ursprüngliche Muster, das von der Genfer Zifferblattmanufaktur Stern Frères in Zusammenarbeit mit Gérald Genta entwickelt wurde und heute als Petite Tapisserie bekannt ist, besteht aus Hunderten kleiner, abgeflachter Pyramiden, die sich von einer texturierten Grundfläche abheben, welche aus Zehntausenden feinster Rauten besteht. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde es zu einem der prägenden Designmerkmale der Royal Oak und fand sich in Modellen verschiedenster Grössen, Farben und Komplikation wieder. 

Die Fertigung eines Tapisserie-Musters bedarf traditionell einer speziellen Guillochier-Kopiermaschine, die Pantograph genannt wird. Sie bildet ein vergrössertes Ausgangsmuster in Miniaturmassstab nach. Während ein Abtastwerkzeug, der sogenannte Fühler, den Konturen des Ausgangsmusters folgt, schneidet das verbundene Gravurwerkzeug, der Stichel, das entsprechende Muster in das Zifferblatt. Auf das Petite Tapisserie-Muster folgte 1999 das Grande Tapisserie-Muster, das deutlich grössere Pyramiden verwendet. 2001 kam dann das noch grössere Mega Tapisserie-Muster hinzu, das für die Royal Oak Offshore entwickelt wurde. Anders als bei der Petite und Grande Tapisserie entsteht die Mega Tapisserie durch Prägen und nicht durch traditionelles Guillochieren. 

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Nahaufnahme einer Guillochier-Maschine: Das Messingzifferblatt dreht sich von selbst, während ein Stichel das Tapisserie-Motiv graviert. © Audemars Piguet

Der Bruch mit dem Tapisserie-Muster 

Obgleich das Grande Tapisserie Zifferblatt, geprägt durch sein Nietenmuster, eines der Royal Oak Designmerkmale mit dem grössten Wiedererkennungswert bleibt, wählte Audemars Piguet mit der Titan-Automatik-Flying-Tourbillon von Beginn an einen anderen Ansatz. 

Als jene Komplikation 2020 Teil der Kollektion wurde, grenzte Audemars Piguet die Titan-Referenz durch ein sandgestrahltes schiefergraues Zifferblatt anstelle eines Tapisserie-Musters von den Varianten in Edelstahl und Roségold ab. Zwei Jahre später führte die Ref. 26730TI.OO.1320TI.01 diese Design-Ausrichtung mit einem sandgestrahlten blauen Zifferblatt fort. 

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Applizierte Stundenmarkierungen aus Weissgold und die Royal Oak Zeiger, die beide mit Leuchtmasse versehen sind, vervollständigen gemeinsam mit dem aufgesetzten Audemars Piguet Schriftzug bei 12 Uhr das blaue Zifferblatt. Die ursprünglich für die Code 11.59 entwickelte dreidimensionale Signatur entsteht durch galvanisches Aufwachsen, ein chemisches Verfahren ähnlich dem 3D-Druck, bei dem dünne Schichten aus 24-Karat-Gold aufgetragen werden. Die einzelnen Buchstaben sind durch nahezu unsichtbare Verbindungsstücke miteinander verbunden, und die fertige Signatur wird mithilfe winziger Stäbchen von Hand auf das Zifferblatt aufgebracht. 

Vor dem Hintergrund des relativ schlichten, sandgestrahlten Zifferblatts wird das freiliegende fliegende Tourbillon bei 6 Uhr zum natürlichen Blickfang, dessen metallische Nuancen von den Zeigern und Indexen aus Weissgold aufgegriffen werden. 

Das Tourbillon im Herzen der Royal Oak 

Anders als bei einem traditionellen Tourbillon, dessen rotierender Käfig oben und unten von Brücken gehalten wird und das beidseitig gelagert ist, wird das fliegende Tourbillon ausschliesslich von unten abgestützt. Das Entfernen der oberen Brücke gibt von der Zifferblattseite den Blick auf den Mechanismus frei und ermöglicht so, dass Unruh, Hemmung und rotierender Käfig auch in Bewegung vollständig sichtbar bleiben. 

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Audemars Piguet stattete 2018 mit der Royal Oak Concept zum ersten Mal eine Uhr mit einem Fliegenden Tourbillon aus, bevor zwei Jahre später auch die Royal Oak über diese Komplikation verfügen sollte. 

Die Royal Oak Royal Oak Selfwinding Flying Tourbillon Ref. 26730TI.OO.1320TI.01 wird von dem Automatikkaliber 2950 angetrieben, das erstmals in der Code 11.59 Verwendung fand. Es besteht aus 270 Einzelteilen und 27 Lagersteinen. Das Uhrwerk schlägt mit 21'600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz) und verfügt über eine Gangreserve von mindestens 65 Stunden. 

Durch den Saphirglasboden hindurch lassen sich eine Reihe von traditionellen Werkveredelungen erkennen, darunter Satinierungen, Perlage, von Hand polierte Fasen und Genfer Streifen. In dem 2022er Modell sind die Genfer Streifen in geraden Linien statt dem strahlenförmigen Muster der 2020er Modelle angeordnet. Darüber hinaus verfügt das Uhrwerk des Jubiläumsmodells über eine rhodinierte Schwungmasse aus 22 K Roségold mit besonderem «50 Jahre»-Logo und über eine gravierte Audemars Piguet Signatur. 

Vertraute Form, innovative Mechanik, moderner Charakter 

Ein halbes Jahrhundert nach dem Debüt der ursprünglichen Royal Oak im Jahr 1972 veranschaulicht die Royal Oak „50-jähriges Jubiläum“, auf wie Audemars Piguet das Modell kontinuierlich neu gedacht hat, ohne dabei das Design aus den Augen zu verlieren, das es berühmt gemacht hat. 

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Die Royal Oak 5402ST von 1972 neben ihrem 50 Jahre jüngeren Schwestermodell. © Audemars Piguet

Das bekannte achteckige Gehäuse und das integrierte Armband bleiben erhalten, aber durch die Titanarchitektur, das sandgestrahlte Zifferblatt und das fliegende Tourbillon erhält die Armbanduhr einen unverwechselbar modernen Charakter. Gleichzeitig verbessern die ergonomischen Verfeinerungen den Tragekomfort der Uhr, ohne dass ihre charakteristische Form merkbar verändert wird. 

Im Ergebnis werden zwei Seiten der modernen Audemars Piguet Philosophie vereint: das beständige Design der Royal Oak und die zunehmend raffinierte Mechanik, die die Manufaktur über die Jahrzehnte hinweg in die Kollektion integriert hat. 

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