Jubiläum
30 Jahre Vacheron Constantin Overseas
«Bedenkt man, wie reich das Erbe der Maison ist – nicht nur hinsichtlich vergangener Designs, sondern auch in Bezug auf die Vielfalt der Ausdrucksformen und der zahlreichen Ideen, die aus unserer Tradition entsprungen sind – so bleibt eben dieses Erbe ein Schlüsselelement der gegenwärtigen und zukünftigen Vacheron Constantin Designs», merkt Christian Selmoni, Direktor für Heritage und Stil bei Vacheron Constantin, an. «Dennoch geht es nie darum, vergangene Kreationen nachzubilden, sondern vielmehr dafür zu sorgen, dass jede neue Vacheron Constantin das Erbe der Maison um eine einzigartige, charakteristische Note bereichert.»
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2026 feiert die älteste ununterbrochen tätige Uhrenmanufaktur der Welt das 30-jährige Bestehen ihrer modernen Sportarmbanduhr. Ein Blick zurück bietet uns ein tieferes Verständnis für die heutige Evolution, das dank der Erinnerungen von Selmoni, der seit den 1990ern in die Produktgestaltung bei Vacheron Constantin involviert ist, besonders präzise ist. Die Manufaktur und Selmoni in den letzten 30 Jahren glücklicherweise dieselbe aufgeschlossene Vision und ästhetische Sensibilität geteilt. Ausserdem ist ihnen beiden ein tiefes Verständnis der uhrmacherischen Mechanik, der Fertigungsprozesse, der verwendeten Materialien und der Geschichte der Uhrmacherei sowie ihrer ikonischen Designs gemein.
Der Auftakt: Vacheron Constantin 222 (1977-1985)
1977 markierte den 222. Jahrestag der Gründung von Vacheron Constantin. Und zu diesem Anlass erschuf die ehrwürdige Marke ihre erste elegante Sportarmbanduhr, deren prägnanter visueller Charakter sie zu einer der unverkennbarsten Zeitmesser der 1970er avancierte. Dies stellte einen Moment des Aufbruchs in der Designsprache der Genfer Ikone dar. Das sportlich-elegante Konzept, das 1985 eingestellt wurde, musste bis 1996 warten, bis es von Vacheron Constantin in einer nagelneuen Kollektion namens Overseas neu zum Leben erweckt wurde. Jene Reihe hat einen noch sportlicheren Charakter und war zum ersten Mal neben den goldenen Versionen auch in Edelstahl erhältlich. «Das ursprüngliche 222 Jumbo Modell aus dem Jahr 1977 diente uns als Inspirationsquelle, aber es ging sicherlich nicht darum, die 222 umzugestalten», berichtet uns Selmoni. «Zwei Elemente der ursprünglichen 222 sind auch in der Gestaltung der Overseas präsent: ihre tonneauförmige Silhouette mit flachem Mittelgehäuse sowie die Lünette, die oben auf dem Mittelteil sitzt. Die geriffelte Lünette der 222 wurde durch ein neues Design ersetzt, dass das Emblem von Vacheron Constantin – das Malteserkreuz – aufgreift.»

Die Time-Only Overseas wurde 1996 in den Gehäusegrössen 37 mm, 35 mm und 24,5 mm eingeführt. Der erste Chronograph der Kollektion kam in einem etwas grösseren 40-mm-Gehäuse daher, eine Grösse, die sich gegen Ende der 1990er immer grösserer Beliebtheit erfreute. Diese Grösse diente auch als Ausgangspunkt für die Konzeption der zweiten Generation der Overseas, die 2004 vorgestellt wurde.
Die perfekte Mischung der 2000er Jahre: Overseas II (2004-2016)
«Ich war zur damaligen Zeit der Leiter der Produktion», erinnert sich Selmoni. «Wir organisierten Workshops und führten Diskussionen über die zukünftige Designrichtung, die die Vergrösserungen der Dimensionen begleiten sollte.» Sein Team behielt die Gehäusearchitektur bei, erschuf neue Zifferblätter und entschloss sich, mit der Optik des klassischen Armbands der ersten Generation zu brechen. Sie gingen ein Risiko ein, indem sie ein neues Design einführten, das deutlich sportlicher war und dank der Anspielungen auf das Malteserkreuz im Armband, die auch in der Lünette präsent waren, einen grossen Wiedererkennungswert hatte. «Auch die Zifferblätter wirkten selbstbewusster. Infolgedessen leitete die zweite Overseas Generation dank ihrer prägnanten und klar strukturierten Gestaltung eine Abwendung von der vorherigen Generation ein, welche eher als Fortführung des sportlichen Designs der 1970er gesehen werden kann.»
Zur gleichen Zeit stellte Vacheron Constantin ausserdem eine 34-mm-Quarzversion der Overseas vor, die von einem Perlmuttzifferblatt und Diamanten geschmückt wird. Dieses Design stand ganz im Geiste der Zeit. „Die Nachfrage an femininen Versionen der Overseas war schon immer stark gewesen“, fügt Selmoni hinzu.
Des Weiteren merkt Selmoni an, dass das 2004er Design der zweiten Generation im Vergleich mit der 1996er Version eine spektakuläre Entwicklung sichtbar macht: der Gehäusedurchmesser wurde von 24,5 mm auf 34 mm erhöht und es war die Designsprache der zweiten Generation, die zum Ausdruck kam. «Unsere Kundschaft schätzt den Komfort eines Quarzwerks und die Zifferblätter haben wir elegant gestaltet, mit Perlmutt und Diamanten, um den femininen Charakter der Uhr hervorzuheben. 2011 haben wir die Overseas Reihe um eine 36-mm-grosse Version mit Selbstaufzug ergänzt, die an Kunden mit schmaleren Handgelenken gerichtet war, vor allem Frauen. Sie haben über die Jahre zunehmendes Interesse für die Uhrmacherei und folglich auch mechanische Uhrwerke gezeigt.»

Es ist ausserdem wichtig anzumerken, dass elegante Sportuhren sämtlicher Marken zu dieser Zeit zu wichtigen Sammlerobjekten wurden. «Bis zum Beginn der 2000er konzentrierten sich die prestigereichen Marken der Haute Horlogerie, mit einigen Ausnahmen, vor allem auf klassische, elegante Kreationen in Edelmetall und bevorzugten dabei überwiegend Lederarmbänder», erklärt Selmoni. «Gewiss, sportlich-elegante Kreationen waren auch damals schon beliebt. Allerdings wurden sie eher als ‘Freizeituhren’ anstatt als Begleiter für jeden Tag wahrgenommen. Die Entwicklung der sportlich-eleganten Uhren in den Nullerjahren kann durch das Zusammenwirken von gesellschaftlichen Umbrüchen und sich verändernden Konsumenteninteressen erklärt werden. In diesem Jahrzehnt ging der Trend hin zu einem legereren Anschein von Luxusgütern und die Grenzen zwischen formeller und informeller Kleidung verschwammen zunehmend. Viel gefragt waren vielseitige Accessoires, die für Vorstandssitzungen ebenso passend sind wie für Freizeitaktivitäten, insbesondere aktiverer Art, und die dennoch nicht an Stil oder Prestige einbüssen.»

Ein moderner Klassiker: Overseas III (2016 bis heute)
Es war mit Sicherheit die ununterbrochene grosse Bedeutung der sportlichen Freizeituhren, die zur Erweiterung der Overseas Kollektion im Jahr 2016 führte. Hinzu kamen die neue World Timer (Ref. 7700), eigene Manufakturwerke, ein überarbeitetes Armband und ein besonders ausgeklügeltes System zum Bandwechsel.
«Seit der Vorstellung der Overseas Kollektion 1996 haben wir immer einen kundenorientierten Ansatz verfolgt und fragen uns ständig: ‘Welche Funktion könnten wir noch hinzufügen, um unseren Kunden und Kundinnen einen deutlichen Mehrwert zu bieten? ’ Während der ersten Generation lag der Schwerpunkt auf Präzision, die 35- und 37-mm-Modelle waren alle zertifizierte Chronometer», hebt Selmoni hervor. Des Weiteren berichtet er, dass Vacheron Constantin angesichts der steigenden Präsenz von Magnetfeldern in verschiedensten Umgebungen die Uhren der zweiten Generation im Jahr 2004 mit einem antimagnetischen Schutz ausstattete.
«Sportlich-elegante Uhren wurden immer beliebter und aus diesem Grund kamen wir auf die Idee, Vielseitigkeit zu bieten, indem wir ein einfaches System zum Bandwechsel bei den darauffolgenden Modellen einführten und zusätzlich zum in der Box enthaltenen Metalarmband zwei weitere Armbänder anboten. Das war damals, im Jahr 2016, eine recht unerwartete Besonderheit für eine prestigeträchtige Maison – und dennoch war es genau diese Innovation, die zu einem der Hauptmerkmale der Overseas Kollektion wurde», so Selmoni.
Zu diesem Zeitpunkt änderte sich auch die Gesamtgestaltung der Overseas – eine offensichtliche Abwendung vom konservativeren Design der ersten Generation. «Für viele Uhrmacher und Uhrmacherinnen waren die 2000er ein Jahrzehnt der ausdrucksstarken, grossen und markanten Designs. Die Overseas II griff diesen Trend auf, während sie gleichzeitig über die Eleganz und Raffinesse verfügte, die unsere Kunden von uns erwarten», erläutert er. Bei den meisten Modellen der aktuellen Generation finden wir etwas kleinere Gehäusegrössen und ihre gestalterische Linie bringt klassische Designelemente zurück. Das trifft vor allem auf die Zifferblätter zu, die trotz ihres klassischen Charakters durch eine aussergewöhnliche Farbtiefe auffallen, die bei den blauen Varianten besonders zur Geltung kommt. Die Gehäuse wurden gänzlich neugestaltet und mit einer zweiteiligen Lünette sowie aufwendigeren Veredelungen versehen.

«Wir wollten zu den gestalterischen Wurzeln der aktuellen Overseas zurückkommen und ‘das Gefühl der 222 wieder aufleben lassen’ war eines der Elemente des Designbriefings – wobei vermutlich ‘das Gefühl der ursprünglichen Overseas wieder aufleben lassen’ die genauere Formulierung gewesen wäre», erinnert sich Selmoni. «Zumal der Vintage Trend bereits 2016 eine bedeutende Rolle spielte und unsere Designer dazu inspirierte, eine neue Overseas zu kreieren, die einen eleganteren, klassischeren und raffinierteren Stil verkörpert.»
Die Werke der Overseas
Bis in die frühen 2000er Jahre verwendete Vacheron Constantin stark modifizierte Basiswerke von Frédéric Piguet und Jaeger-LeCoultre, die mit den exquisiten Veredelungen verziert wurden, für die Vacheron Constantin berühmt ist. Dann begann die Marke jedoch eine andere Strategie zu verfolgen und setzte sich das Ziel, eine vollintegrierte Manufaktur zu werden, die ihre eigenen Werke fertigt – von einfachen Anzeigen bis hin zu grossen Komplikationen.
«Die Ausrichtung in der Werkentwicklung bildete das Rückgrat der Produktstrategie der Maison und innerhalb dieses Gefüges war die Overseas Kollektion schon damals eine der tragenden Säulen», führt Selmoni aus. Wir entschlossen uns, eine komplette Reihe an Manufakturkalibern zu konzipieren und zu entwickeln, um die Overseas Kollektion mit Features ausstatten zu können, die an sportlich-elegante Zeitmesser angepasst sind, darunter Eigenschaften wie hohe Robustheit und grosse Präzision, vereint mit herausragender Handfinissierung und dem Genfer Siegel. Die Gestaltungs- und Entwicklungsschritte der dritten – und aktuellen – Generation der Overseas wurden in den Entwicklungsprozess ihrer jeweiligen Uhrwerke integriert, um die Werke optimal auf die neuen Uhren abzustimmen.»
Zum 20. Jubiläum der Overseas Kollektion im Jahr 2016 erreichte Vacheron Constantin endlich sein Ziel von 100% Manufakturkalibern. Der Grossteil der Kollektion wurde von den Automatikkalibern 5100 mit 60 Stunden Gangreserve und 5200, einem Säulenrad-Chronographen, angetrieben.
«Ich habe eine besondere Verbindung zu Armbanduhren, weil sie eine der letzten analogen Objekte sind, die uns ein Leben lang begleiten – vor allem in einer Welt, die zunehmend digital ist. Für mich sind Uhren einer der edelsten und bemerkenswertesten Ausdrücke menschlicher Erfindungskraft», gibt Selmoni zu. Und die sportlich-elegante Vacheron Constantin Overseas, die in ihrer 30-jährigen Geschichte nicht nur erfolgreich war, sondern durch nutzerfreundliche Verbesserungen stetig verfeinert wurde, ist ein exzellentes Beispiel bemerkenswerter uhrmacherischer Brillanz.

