Der Unterschied zwischen Form und Schliff bei Edelsteinen

Ob Sie einen Verlobungsring individuell gestalten, ein ausgewähltes Schmuckstück entwerfen oder einfach Ihr Wissen über edlen Schmuck vertiefen wollen – es ist unverzichtbar, den Unterschied zwischen der Form und dem Schliff eines Edelsteins zu verstehen. Gemeinsam verleihen diese Elemente jedem Stein seinen einzigartigen Glanz, Charakter und seine zeitlose Anziehungskraft. 

Für eine nähere Erläuterung dieser Begriffe haben wir mit Tobias Lanz, Global Associate Director Sourcing & Category Management bei Bucherer, gesprochen. Er hat nahezu zwei Jahrzehnte an Erfahrung im Fachbereich der Beschaffung von herausragenden Edelsteinen und Diamanten. 

5 Minuten

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Der Hauptunterschied zwischen Form und Schliff

In der Schmuckwelt werden die Begriffe Form und Schliff häufig synonym verwendet. Dennoch beschreiben sie unterschiedliche Eigenschaften. «Sogar unter Juwelieren sorgen sie manchmal für Verwirrung und man hört viele falsche Bezeichnungen», bemerkt Lanz. 

Der Unterschied wird deutlich, wenn man einen vollendeten Edelstein oder Diamanten beschreibt: Die Form bezieht sich auf die physische, von oben betrachtete Silhouette, z.B. rund, oval, tropfen-, herz- oder smaragdförmig. Der Schliff hingegen beschreibt die präzise Anordnung und die Winkel der Facetten, die die Edelstein- und Diamantschleifer hinzufügen und veredeln, um das Funkeln und die Brillanz des Edelsteins zu entfachen, wie beispielsweise der Brillant- oder Treppenschliff. Man kann es so sehen: Die Form entspricht dem Umriss des Edelsteins und der Schliff ist die Technik, die den Glanz zum Vorschein bringt. Beide Charakteristiken sind untrennbar mit der Schönheit eines Edelsteins verbunden, dienen jedoch unterschiedlichen Zwecken. 

Klassische Formen

Die Wahl einer Form kann sehr instinktiv und persönlich sein und durch Erinnerungen, Assoziationen und individuelle ästhetische Vorlieben beeinflusst werden. «Für viele Kunden und Kundinnen ist es in erster Linie die äussere Form, die ins Auge fällt und die eine entscheidende Rolle spielt, gefolgt von der Schliffart», erläutert Lanz. Manche Kundinnen bevorzugen sogar, je nach Stimmung, Outfit oder Anlass verschiedene Formen zu tragen. 

«Es gibt einige praktische Grundsätze, zum Beispiel dass längliche Formen wie die Tropfen- oder die Smaragdform die Finger schlanker aussehen lassen können. Meistens genügt allerdings ein kurzer Blick, um instinktiv sagen zu können, ob eine Form oder Schliffart sich richtig anfühlt und man sie ins Herz geschlossen hat», fügt Lanz hinzu. 

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Das Handwerk und der Wert hinter dem Schliff

«Der Schliff eines Edelsteins beeinflusst seinen Wert massgeblich», erklärt uns Lanz. Schlussendlich ist es der Schliff, der bestimmt, wie ein Edelstein mit dem Licht spielt und funkelt – seine bezauberndste Eigenschaft. Während die Form eines Edelsteins weitgehend durch den Rohstein selbst bestimmt wird, einschließlich seiner natürlichen Proportionen und Farbverteilung, hängt die Qualität eines Schliffs von den Fähigkeiten und der Erfahrung des Schleifers ab. Hier zeigt sich wahre Kunstfertigkeit. 

«Die Kundschaft und jede Fachkraft würde einen exzellent geschliffenen Stein mit Einschlüssen einem schlecht geschliffenen, aber lupenreinen Stein vorziehen», erläutert er weiter. «Um ein Schmuckstück zu fertigen, braucht es fünf bis sieben verschiedene Berufe und sie alle sind unentbehrlich. Dennoch verliert selbst das kreativste Schmuckstück seine Anziehungskraft, wenn die verwendeten Steine schlecht geschliffenen sind. Für mich stehen Edelstein- und Diamantenschleifer*innen an erster Stelle, sowohl wegen ihres ästhetischen Einflusses als auch wegen ihrer Rolle bei der Schaffung von echtem Wert.»

 Auch wenn dem Schleifen von Edelsteinen keine kreativen Grenzen gesetzt sind, so haben sich doch laut Lanz drei Schliffarten in der Welt des edlen Schmucks durchgesetzt. 

In der Inner Fire Kollektion nutzen wir sowohl den Brillant- als auch den Treppenschliff:

  • Brillantschliff: Dieser Schliff optimiert die Lichtreflexionen durch eine spezifische Anordnung dreieckiger and trapezförmiger Facetten, die herausragendes Funkeln und Feuer erzeugen. 

  • Treppenschliff: Dieser Schliff weist parallel angeordnete, oft rechteckige Facetten, die eine Spiegelsaal-Wirkung kreieren, auf.

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Eine Wahl, die Ihren persönlichen Stil und Ihre Lebensart widerspiegelt

Eine wichtige, von Lanz hervorgehobene Tatsache ist, dass die vollständige Beschreibung eines Edelsteins sowohl die Form als auch die Schliffart beinhalten muss, zum Beispiel «ovaler Brillantschliff» oder «rechteckiger Treppenschliff». Mit der Zeit sind bestimmte Kombinationen so bekannt geworden, dass ihre Abkürzung zu einem eigenen Begriff geworden ist. Mit «Brillant» ist ein runder Brillantschliff gemeint. «Smaragdschliff» bezieht sich auf einen rechteckigen Treppenschliff. Ein «Prinzessschliff» ist ein auf eine quadratische Form angepasster Brillant. 

«Wenn wir uns nur die Zahlen der verarbeiteten Steine anschauen, dann ist der runde Brillant mit Abstand die häufigste Wahl, vor allem bei Diamanten», enthüllt Lanz. «Das liegt daran, dass dieser Schliff am meisten Licht reflektiert. Das konnte wissenschaftlich belegt werden.» Auch wenn geographische und kulturelle Unterschiede die Vorlieben beeinflussen, hängt die Entscheidung letztendlich von einer persönlichen Frage ab: Wollen Sie dem folgen, was en vogue ist oder wollen Sie Ihre eigene Persönlichkeit ausdrücken? 

Wenn Sie den Unterschied zwischen Form und Schliff verstehen, verfügen Sie über das Vokabular, um Ihre Vision zu artikulieren, und das Selbstvertrauen, Ihrem Instinkt zu folgen, wenn Sie den richtigen Stein sehen. «Ich bin fest davon überzeugt, dass uns das Schmuckstück als Ganzes in seinen Bann zieht», reflektiert Lanz.