High Shine

Messika: Die moderne Sprache des Diamanten

In der Welt des zeitgenössischen Schmucks haben nur wenige Schmuckmarken die Rolle des Diamanten so grundlegend neu interpretiert wie Messika. Die von Valérie Messika gegründete Pariser Marke hat die traditionellen Codes des Diamantschmucks aufgebrochen und eine Ästhetik geschaffen, die Freiheit, Selbstbewusstsein und moderne Weiblichkeit verkörpert. In diesem Gespräch spricht sie über die emotionale Kraft von Diamanten, ihren kreativen Prozess und die Vision, die ihre Marke auch zwanzig Jahre nach seiner Gründung prägt.

Eine Frau mit langen braunen Haaren posiert mit mehreren übereinander gestapelten Armbändern und Ringen.

F: Messika ist ein ausgesprochenes Diamanthaus. Was bedeuten Diamanten persönlich für Sie und wodurch unterscheiden sie sich, abgesehen von ihrer Ästhetik, von anderen Edelsteinen?
A: Als Tochter eines renommierten Diamanthändlers bin ich mit Diamanten aufgewachsen. Schon in jungen Jahren hielt ich sie in den Händen, legte sie auf meine Haut und lernte, sie durch eine Lupe zu betrachten. Im Licht eines Diamanten, in der Art, wie er alles um sich herum einfängt und reflektiert, liegt etwas, das ich in keinem anderen Edelstein gefunden habe. Es ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern von Reinheit, von etwas, das lebendig wirkt.

F: Sie sprechen oft von Ihrem Wunsch, Diamanten zu „modernisieren“. Können Sie diese Philosophie näher erläutern und erklären, wie sie die kreative Vision von Messika prägt?
A: Als ich Messika vor 20 Jahren gründete, wurden Diamanten noch stark mit einem einzigen Moment im Leben einer Frau verbunden. Meist wurden sie ihr von jemand anderem geschenkt und als Verlobungsring sorgfältig in einer Schatulle aufbewahrt. Ich wollte diese Erzählung verändern und zeigen, dass Diamanten jeden Tag getragen werden können und etwas sind, das Frauen für sich selbst wählen dürfen, ohne auf einen besonderen Anlass zu warten. Da ich mit Diamanten aufgewachsen bin, wollte ich anderen Frauen dasselbe Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung vermitteln.

F: Gibt es eine Emotion, die Sie mit Ihren Kreationen vermitteln möchten? Anders gefragt: Wie sollen sich die Trägerinnen Ihrer Schmuckstücke fühlen?
A: Vor allem frei. Ich möchte, dass sich die Frau, die ein Schmuckstück von Messika trägt, frei fühlt – in ihrem Körper, in ihrer Weiblichkeit und voller Selbstvertrauen. Es hat etwas Besonderes, einen Diamanten auf der Haut zu spüren, wie ein Schmuck-Tattoo oder eine zweite Haut. Das vermittelt eine stille Form von Stärke. Gleichzeitig soll sie Freude empfinden, denn meine Schmuckstücke sollen niemals einschüchternd oder zu ernst wirken. Sie sollen sich an sie anpassen, sich mit ihr bewegen und wie eine natürliche Erweiterung ihrer Persönlichkeit anfühlen.

Drei ineinandergreifende Messika-Armreifen aus Diamanten und Gold werfen Schatten auf eine helle Fläche.

F: Messika ist ein Mode-orientiertes Haus. Wie würden Sie die Beziehung zwischen Mode und Schmuck beschreiben?
A: Ich glaube, beide sprechen dieselbe Sprache und haben das schon immer getan. Schmuck ist eine Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit auszudrücken, und genau das macht auch Mode. Von Anfang an wollte ich Messika an der Schnittstelle von Schmuck und Fashion positionieren: mit Runway-Shows, der Zusammenarbeit mit Stylisten und der Überzeugung, dass Diamanten nicht über der Mode stehen, sondern ein Teil von ihr sind. Diese Haltung führte ganz selbstverständlich zu meiner Zusammenarbeit mit Kate Moss für meine erste High Jewellery Kollektion. Es war nur folgerichtig, noch einen Schritt weiterzugehen und die Kollektion mit einer echten Modenschau im Ritz zu präsentieren – einem ikonischen Ort für uns beide.
Was mich fasziniert, ist die Magie, die entsteht: wie ein Schmuckstück eine Silhouette vollkommen verwandeln kann und gleichzeitig etwas über die Frau erzählt, die es trägt. Nichts bringt dies schöner zum Ausdruck als ein Diamant.

F: Woher nehmen Sie Ihre Inspiration? Ist sie für jede Kollektion anders?
A: Überall und jedes Mal auf andere Weise. Es kann eine Begegnung sein, eine Reise, die Frauen um mich herum, meine Töchter oder mein Team. Es kann aber auch die Natur sein, eine Landschaft, eine Textur oder etwas, das eine unmittelbare Emotion hervorruft. Für meine letzte High Jewellery Kollektion „Terres d’Instinct“ haben mich die weiten Landschaften des südlichen Afrikas mit ihren Farben, organischen Formen und ihrer wilden Energie tief inspiriert. All das fand direkt Eingang in die Designsprache der Kollektion. Ich höre sehr stark auf meine Intuition, denn Ideen können jederzeit und überall entstehen. Das Wichtigste ist, neugierig zu bleiben, genau hinzusehen und dem zu vertrauen, was einen bewegt.

F: Was kommt zuerst: der Entwurf oder der Edelstein?
A:
Immer der Stein. Selbst bei High Jewellery nimmt alles seinen Anfang beim Edelstein. Ich verbringe Zeit mit ihm, betrachte ihn, berühre ihn und lasse ihn zu mir sprechen, lange bevor die erste Skizze entsteht. Mein Vater hat mir schon früh beigebracht, in einen Stein hineinzusehen und ihn zu verstehen. Dieser Instinkt hat mich nie verlassen. Die Emotion geht vom Diamanten selbst aus. Das Design ist fast eine Antwort darauf. Von Anfang an ist mir ausserdem wichtig, wie das Schmuckstück getragen wird. Jede Kreation soll tragbar und wandelbar sein, damit Frauen sie ganz selbstverständlich in ihr Leben integrieren können.

Ein roségoldenes Messika-Armband mit diamantbesetzten Gliedern und baumelnden Anhängern vor neutralem Hintergrund.

F: Wie stark prägt Ihr persönlicher Stil den Stil des Hauses? Welche Merkmale definieren die Handschrift von Messika?
A: Ich probiere alles an, was ich entwerfe. Wenn ich nichts dabei empfinde, beginne ich von vorn.
Meine persönliche Intuition, die Bewegung, der Kontakt mit der Haut, die Modernität und die richtigen Proportionen – all das gehört zur DNA des Hauses. Messika zeichnet sich durch den Kontrast zwischen kostbaren, technisch anspruchsvollen Schmuckstücken und ihrer mühelosen Leichtigkeit aus. Diese Dualität spiegelt auch meine Persönlichkeit wider.

F: Was macht für Sie einen echten Statement-Look aus?
A: Ein Statement-Schmuckstück besitzt genug Persönlichkeit, um selbst den schlichtesten Look zu prägen. Dabei geht es nicht zwingend um Grösse oder Preis, sondern um Ausstrahlung und Absicht. Besonders bewegend finde ich es, wenn eine Frau ihr Schmuckstück so selbstverständlich trägt, dass sie gar nicht mehr darüber nachdenkt. Dann setzt nicht der Schmuck das Statement, sondern die Frau selbst.

F: Sollte Luxus eher leise oder auffällig sein?
A: Ich denke, das ist etwas sehr Persönliches. Bei Messika gibt es ebenso dezente Schmuckstücke wie spektakuläre High Jewellery Kreationen. Beides entspricht unserer Identität. Entscheidend ist nicht die Lautstärke, sondern die Freiheit. Wahrer Luxus entsteht durch Präzision und Savoir-faire und gehört seiner Trägerin auf einer tiefen Ebene. Ob er flüstert oder laut spricht, entscheidet allein die Frau, die ihn trägt. Genau diese Form von Modernität begeistert mich.

F: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Diamanten?
A: Ich wünsche mir, dass Diamanten häufiger und in noch mehr Lebenssituationen getragen werden und weiterhin diese stille Superkraft bleiben, die Menschen Selbstvertrauen und Lebendigkeit schenkt. Das Magische an einem Diamanten ist für mich seine Herkunft aus dem Inneren der Erde, geformt über Tausende von Jahren. Nichts ist damit vergleichbar. Auch nach zwanzig Jahren ist unsere Leidenschaft bei Messika unverändert gross. Wenn überhaupt, stehen wir erst am Anfang.

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