Die Rolex Milgauss wird siebzig

Siebzig Jahre der Wissenschaftleruhr

Es gibt Uhren, die kaum die Anerkennung erhalten, die sie verdienen – und zwar nicht, weil es ihnen an etwas mangeln würde, sondern weil die Aufmerksamkeit auf andere Modelle der Marke gelenkt wird. Das vielleicht wichtigste Jahrzehnt für Rolex waren die 1950er Jahre, als die Marke eine goldene Ära mit Kollektionen wie der Submariner, der GMT-Master, der Explorer und der Day-Date erlebte. Mittlerweile sind diese Kollektionen zu Grundpfeilern des Rolex Katalogs geworden. Jede von ihnen hatte eine klar definierte Ausrichtung und hat über das Tauchen, die Luftfahrt, die Forschung oder die Geschäftswelt ihre Träger erreicht. Eine weitere Neuheit desselben Jahrzehnts, die Milgauss, hat ebenfalls eine einzigartige Geschichte. Da sie jedoch eher für Wissenschaftler als für Abenteurer konzipiert wurde, blieb ihre Verbindung aufgrund des äusserst spezifischen Einsatzzwecks in der Regel auf den jeweiligen Berufsstand beschränkt. Siebzig Jahre später ist es genau diese Diskrepanz zwischen dem, wofür die Milgauss entwickelt wurde, und der geringen Anerkennung, die sie dafür erhalten hat, die sie besonders würdigungswürdig macht.  

4 Minuten

Eine silberne Rolex Milgauss Uhr mit schwarzem Zifferblatt und grünem Kristallglas, daneben ein grüner Glasuntersetzer, blaues Glas und ein silberner Stift.

Die Milgauss kam 1956 auf den Markt, wobei ihr Einsatzzweck nichts mit Wassertiefe oder Zeitzonen zu tun hatte. Einer der grössten Feinde einer mechanischen Uhr ist der Magnet, was an der feinen Stahlspirale im Herzen des Uhrwerks liegt. Diese Windungen sind so empfindlich, dass ein ausreichend starkes Magnetfeld dazu führen kann, dass sie aneinanderkleben, wodurch sich ihre effektive Länge verkürzt und die Ganggenauigkeit des Uhrwerks völlig aus dem Takt gerät, was manchmal dazu führt, dass eine Uhr täglich Minuten vorgeht oder ganz stehen bleibt. Für Ingenieure und Physiker, die in der Nähe von starken elektromagnetischen Feldern arbeiten, vor allem am CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung, war diese magnetische Bedrohung für ihre Uhren ein echtes Problem. Was sie brauchten, war eine mechanische Uhr, die selbst dann präzise läuft, wenn sie von einer Magnetfeldstärke umgeben ist, die ein herkömmliches Werk sofort zum Stillstand bringt. Rolex Lösung: ein ins Gehäuse eingebauter faradayscher Käfig – eine ferromagnetische Schutzummantelung, die das Werk vollständig umschliesst. Dank dieser Schutzhülle kann die Uhr Magnetfeldern bis zu 1’000 Gauss standhalten, ungefähr zehn- bis zwanzigmal mehr als eine herkömmliche Uhr, bevor die Präzision nachlässt. Ausserdem verfügte die Milgauss nie über ein Datumsfenster – eine bewusste Auslassung statt einer stilistischen Wahl, da jegliche Öffnung im Zifferblatt die durchgehende Abschirmung beeinträchtigt hätte, die das darunterliegende Werk schützt. Der Name der Uhr setzt sich aus mille, Französisch für Eintausend, und Gauss, der Messeinheit, zusammen. Das ist eine für Rolex ungewöhnliche Wahl – nicht, weil funktionsbetonte Namen eine Seltenheit wären, sondern weil der Name Milgauss buchstäblich einen Leistungswert angibt, statt einen breiteren Einsatzbereich anzudeuten.

Eine silberne Rolex Milgauss Uhr mit weißem Zifferblatt und orangen Akzenten, ein schwarzer Stift und ein silbernes Notizbuch auf beigem und orangenem Untergrund.
Rolex Milgauss, Referenz 116400

Das erste Kapitel ihrer Geschichte wurde von der Referenz 6541 geschrieben: einer Uhr mit Waben-Zifferblatt, schwarzer Drehlünette, dolchförmigen Indizes, rotem Modellschriftzug und blitzförmigem Sekundenzeiger, der fortan zum Erkennungszeichen werden sollte. Der alternative Charme, den die Milgauss innerhalb der grossen Rolex-Familie ausstrahlt, geht auf diese erste Referenz zurück. Ihr Nachfolgermodell, die 1019 aus dem Jahr 1960, behielt diesen Charakter bei und entwickelte ihn weiter: die Drehlünette wurde durch eine glatte Lünette ersetzt, die Dolch-Indizes durch Stabindizes und der Blitz-Sekundenzeiger durch einen Zeiger mit roter Pfeilspitze. Die 6541 blieb ungefähr vier Jahre, während die 1019 bis 1988 in der Kollektion vertreten war – ganze 28 Jahren. Die darauffolgende Unterbrechung von fast zwanzig Jahren endete 2007 mit der Referenz 116400, die in drei Varianten eingeführt wurde: ein schwarzes und weisses Zifferblatt mit orangem blitzförmigem Sekundenzeiger und passenden orangefarbenen Akzenten sowie die 116400GV mit grün getöntem Saphirglas, das so aufwendig in der Herstellung ist, dass Rolex es nicht einmal patentieren liess, um den Herstellungsprozess geheim zu halten. Das Zifferblatt in Z-Blau wurde 2014 in die GV aufgenommen. Danach wurde die Reihe reduziert und ab 2016 bestand sie nur noch aus den Modellen mit grünem Saphirglas. Dennoch ist die Geschichte an diesem Punkt immer noch nicht zu Ende. 2023 nahm Rolex die Milgauss erneut aus dem Katalog, nun zum zweiten Mal. Damit gab es kein aktuelles Produktionsmodell mehr und bei Sammlern kam die Frage auf, ob diese wirkungsvolle und zugleich charmant obskure Uhr jemals in den Katalog zurückkehren würde.

Nahaufnahme einer Rolex Milgauss Uhr mit grünem Zifferblatt, orangefarbenem Blitz-Sekundenzeiger und Edelstahlarmband.
Rolex Milgauss, Referenz 116400GV

Siebzig Jahre nach der Einführung der 6541 hat Rolex dieses Jubiläum noch nicht offiziell gewürdigt. Stattdessen wurde die Magnetfeldresistenz in die Kriterien für die Superlative-Chronometer-Zertifizierung aufgenommen, die nun bereits in der Konstruktions- und Fertigungsphase für das gesamte Sortiment gilt und nicht mehr nur einer einzigen Uhr vorbehalten ist. Was das über die Milgauss aussagt, ist vielleicht sogar noch schmeichelhafter, denn das Anliegen, das einst eine ganze Referenz mit Faraday-Käfig rechtfertigte, hat sich als bedeutend genug erwiesen, um ihre Einbeziehung in die breitere Produktion zu rechtfertigen. Siebzig Jahre, nachdem eine kleine Auflage der 6541 an Wissenschaftler ausgeliefert wurde, die in der Nähe von Teilchenbeschleunigern und Kraftwerken arbeiteten, weckt das Modell weiterhin Neugier und zeugt von einem seltenen Moment der Unvorhersehbarkeit in der stets beeindruckenden Geschichte von Rolex.

rolex-contact-luzern-schwanenplatz_portrait

Finden Sie ein Bucherer Geschäft in Ihrer Nähe

Entdecken Sie unsere Auswahl an Uhren und Schmuck und profitieren Sie von exklusiven Boutique-Services.

Werden Sie Teil der Community und erhalten Sie die neuesten Informationen zu Uhren, Schmuck und exklusiven Events.

  • SERVICE

  • FAQ

  • Zahlung

  • Versand

  • Rücksendung

  • CPO Garantie

© 2026