Ein Jahrhundert Tudor, stilvoll getragen
Tudor feiert 100-jähriges Jubiläum: Wie man ein Jahrhundert am Handgelenk trägt
Vor hundert Jahren wurde der Name „The TUDOR“ in Genf registriert. Was folgte, war eine Geschichte, die sich an den Handgelenken von Entdeckern, Tauchern und Menschen des Alltags schrieb. Tudor-Uhren waren stets Begleiter fürs Leben und nicht bloss Objekte zur Betrachtung. Genau deshalb feiert man Tudor am besten dort, wo die Marke hingehört: am Handgelenk. Für dieses Jubiläum haben wir die wichtigsten Kapitel der Markengeschichte neu interpretiert und jede Ära, von den eleganten Uhren der Nachkriegszeit über die Tool Watches der Riviera bis zu den Rennsport-Chronographen der 1970er-Jahre, mit dem passenden Stil und einer heutigen Tudor-Uhr in Verbindung gebracht.
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Jedes Jahr erlebt die Uhrenindustrie eine Reihe von Jubiläen. Einige feiern ein bestimmtes Modell, andere einen besonderen Wendepunkt der Maison. Doch nur wenige Jubiläen tragen das Gewicht eines ganzen Jahrhunderts. Umso bedeutender sind ganze einhundert Jahre Existenz, wenn es um die Marke Tudor geht. Im Februar 1926 liess Hans Wilsdorf, der Mann, der bereits Rolex aufgebaut hatte, den Namen «The TUDOR» in Genf registrieren. Seine Idee war pragmatisch: Uhren mit der gleichen Langlebigkeit einer breiteren Zielgruppe zugänglich zu machen. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts wurden Tudor-Uhren gekauft, um benutzt zu werden: Sie wurden ebenso oft an den Handgelenken von Entdeckern und Marine-Tauchern getragen wie an denen von Büroangestellten.
Anlässlich dieses bedeutsamen Jubiläums haben wir die Geschichte von Tudor neu aufgerollt: Der folgende Zeitstrahl verknüpft wegweisende Momente der Marke mit Zeitmessern ihrer jeweiligen Ära und ergänzt sie um dezente Empfehlungen für das Handgelenk. Schliesslich feiert man, auch nach hundert Jahren, eine zum täglichen Tragen geschaffene Marke am besten, indem man sie anlegt und trägt.

Die Alltagsuhr: 1930er bis 1950er
Ihr erstes Jahrzehnt verbrachte die Marke damit, schlichte, gut verarbeitete Zeitmesser für den Alltag zu fertigen. Die frühesten Modellen besassen häufig ein kissenförmiges oder rechteckiges Gehäuse und waren durch ein ‚T‘ gekennzeichnet, dessen horizontaler Balken sich über die restliche Signatur erstreckte. In den Nachkriegsjahren hatte sich Tudors Angebot zu Modellen wie der Oyster 7934 weiterentwickelt, eine 34 mm grosse, handaufgezogene Uhr in einem Oyster-Gehäuse mit reiner Zeitanzeige. Sie bot alles, was der arbeitende Mensch brauchte und nichts, was er nicht brauchte. Sie ist und bleibt eine der reizvollsten Wege, in die Welt der Vintage Tudor Uhren einzutauchen, insbesondere mit der Rose auf dem Zifferblatt. Jene Uhren waren dafür geschaffen, bequem unter der Hemdmanschette getragen zu werden und dank ihren moderaten Dimensionen und zeittypischen Details liessen sie sich mit nahezu allem kombinieren, auch wenn sie besser zu einer formelleren Garderobe passen, ob grauer Flanellanzug oder marineblauer Rollkragenpullover.
Das heutige Pendant: Der Geist jener Zeit findet sich am deutlichsten in der Tudor Royal wieder, die nun in 30, 36 und 40 mm angeboten wird und deren Zifferblätter von Lachsrosa über Blau bin hin zu Perlmutt reichen. Die Referenz in 36 mm kommt den Proportionen der Nachkriegszeit am nächsten, während die 1926er Kollektion, deren Name direkt auf das Gründungsjahr zurückgeht, eher den Charme einer vergangenen Epoche verkörpert.

Am Handgelenk der Entdecker: 1950er und 1960er
1952 präsentierte Tudor mit der Oyster Prince erstmals eine Automatikuhr im Oyster-Gehäuse. Noch im selben Jahr reisten Exemplare mit der British North Greenland Expedition, einer zweijährigen Forschungsreise unter Leitung von Commander James Simpson der britischen Royal Navy, gen Norden. Die Mitglieder der wissenschaftlichen Mission protokollierten die Ganggenauigkeit ihrer Uhren anhand von BBC-Zeitsignalen bei Temperaturen, die weit unter jenen lagen, denen eine Uhr üblicherweise standhalten musste. Tudor stellte diese Expedition in den Mittelpunkt seiner Werbung, und dieser Geist setzte sich bis in die späten 1960er Jahre mit der Oyster Prince Ranger, Referenz 7995/0, fort. Mit einem Durchmesser von 34 mm aus Stahl, einem mattschwarzen Zifferblatt, leuchtenden arabischen Ziffern und dem Rosenlogo blieb das Modell bis 1988 im Katalog und ist seither zu einer der begehrtesten Vintage-Tudor-Uhren geworden.
Der Expeditionsstil setzte ganz auf Wolle: Unter einem winddichten Smock wurde ein Aran-Pullover getragen und für die Heimreise kam ein Dufflecoat hinzu. Zur Zeit der Ranger spiegelte sich dieser funktionale Geist dann in der Harrington-Jacke, dem Oxford-Hemd mit Button-down-Kragen und dem Desert Boot wider, die bis heute wie für diese Uhr geschaffen wirken.
Das heutige Pendant: Die moderne Tudor Ranger, ebenfalls mit mattschwarzem Zifferblatt und nachleuchtenden arabischen Ziffern, ist eine bemerkenswert getreue Weiterentwicklung der 7995/0. Sie ist sowohl in 36 mm als auch in 39 mm grossem Gehäuse erhältlich. Ihr eigentlicher Reiz liegt darin, dass sie keine Ansprüche an ihren Träger stellt.

Die Marinetaucher: 1954 bis 1980er
Unter Sammlern und Sammlerinnen kommt Tudors Submariner eine besondere Bedeutung zu. Sie wurde 1954 als Referenz 7922 eingeführt und verfügt über ein Oyster-Gehäuse, 100 Meter Wasserdichtigkeit und ein Zifferblatt, das eine Rose ziert. 1958 folgte die Referenz 7924 «Big Crown» mit 200 Meter Wasserdichtigkeit und darauf im Jahr 1959 Referenz 7928, deren Kronenschutz den Standard für das darauffolgende Jahrzehnt setzte. Sowohl die französische Marine Nationale als auch die US-amerikanische Navy statteten ihre Taucher mit Tudor Submarinern aus. 1969 führte die Referenz 7016 zusammen mit der mit Datumsfenster versehenen 7021 die quadratischen Indizes und markanten Zeiger ein, die von Sammlern «Snowflake» genannt werden. Dieses Design wurde in der 9401 der späten 1970er fortgeführt, deren mit blauem Zifferblatt versehene Marine Nationale-Exemplare heutzutage grossen Sammlerwert haben.
Die Marine Nationale schenkte der Welt ausserdem das bretonische Matrosenhemd, sodass sich der Look wie von selbst ergibt: die Côte d’Azur Ende der 1960er Jahre, ein gestreiftes Oberteil oder ein Frottee-Polo, weisse Jeans, Bootsschuhe und eine Uhr, die an diesem Morgen ganz offensichtlich im Wasser war.
Das heutige Pendant: Tudors Taucherbe lebt heutzutage in der Black Bay Serie weiter, deren Modelle je nach ausgewählter Grösse einen ganz unterschiedlichen Charakter aufweisen. Die 37 mm grosse Black Bay 54 kommt den schlanken Proportionen der Ref. 7922 am nächsten, während die Black Bay 58 in 39-mm-Gehäuse, die 2024 um eine GMT-Version erweitert wurde, die moderne Wahl für jeden Tag darstellt. Die Pelagos 39 in Titan wiederum ist die leichteste und technisch komplexeste der drei Armbanduhren.
Von der Rose zum Schild
Die frühsten Tudor Uhren trugen nur den Namen selbst, das T erstreckte sich über die anderen Buchstaben, bis im Jahr 1936 die Rose im Schild erschien – das Zeichen des englischen Königshauses, das Lancaster und York unter sich vereinte und das ein Verweis auf Grossbritannien war, wo Wilsdorf sein Unternehmen gegründet hatte. 1947 war der Schild dann verschwunden und die Rose stand allein, bis sich Tudor im Jahr 1969 robusteren und technisch komplexeren Uhren zuwandte und die Rose dem Schild Platz machte, das fortan allein verwendet wurde. Sie war jedoch niemals komplett verschwunden gewesen und feierte 2012 auf dem Zifferblatt und der Krone der ersten Heritage Black Bay 2012 ihre Rückkehr. Ein mit einer Rose signiertes Zifferblatt bleibt für viele das romantischste Detail, das eine Tudor aufweisen kann.

Die Chronographen des Rennsports: die 1970er
Tudors erste Chronographen kamen 1970 als Oysterdate-Modelle mit den Referenznummern 7031 und 7032 auf den Markt, die wegen ihrer fünfeckigen Stundenindizes den Beinamen ‘Home Plate’ trugen. Sie verfügten über ein für damalige Verhältnisse riesiges 39-mm-Gehäuse, verschraubte Drücker, ein handaufgezogenes Valjoux Uhrwerk und eine Farbpalette, die von grau über schwarz bis zu orange reichte und ganz klar zu der damaligen Epoche gehörte. Eine zweite Serie folgte 1971. Sie umfasste unter anderem die mit blauer Lünette ausgestattete Referenz 7149, deren Zifferblätter an Roulette-Tische erinnerten und ihr den Beinamen «Montecarlo» verschafften. Das Valjoux Automatikwerk 7750 kam erstmals in den 1976 eingeführten Referenzen 9420, 9421 und 9430 zum Einsatz, die aufgrund ihrer höheren Gehäuse «Big Block» genannt wurden und sich nur anhand ihrer Lünetten voneinander unterscheiden liessen.
Die natürliche Umgebung jener Chronographen ist die Boxengasse der 1970er. Zusammen mit einer enganliegenden Leder-Rennjacke oder einem Veloursleder-Blouson über einem Hemd mit breitem Kragen, kombiniert mit Schlaghosen und Fahrerschuhen, wurden sie mit jener lässigen Selbstverständlichkeit getragen, die ein markantes Zifferblatt zum eigentlichen Blickfang des Outfits machte.
Das heutige Pendant: Die Black Bay Chrono führt das Erbe der Montecarlo und Big Block fort, ihre Panda-Zifferblätter sind klar von ihren Vorgängern inspiriert. Und wenngleich sie grössere und markantere Proportionen besitzt: ein Rennchronograph war nie dazu bestimmt, diskret aufzutreten.

Die Monarch und Tudors elegante Seite: die 1990er
Die ursprüngliche Monarch stammt aus einer Tudor-Epoche, die die meisten Uhrenliebhaber und -liebhaberinnen inzwischen vergessen haben: die Zeit jener klassischeren, auf Eleganz ausgerichteten Marke der 1990er und frühen 2000er. Ein Beispiel dafür ist die zweifarbige Referenz 15733, mit der Tudor die Gestaltungslinie früherer Oysterdate und Date+Day Modelle weiterführte und sie durch Ausführungen mit aufgesetzten Goldindizes und dem Schildlogo bei 12 Uhr verfeinerte. Dabei handelt es sich um eine Uhr der Schneiderkunst der 1990er Jahre: Man trug sie mit weichen doppelreihigen Sakkos, Bundfaltenhosen mit elegantem Fall, Hemden mit offenem Kragen und jener lässigen Mailänder Eleganz, die Bicolor eher als Ausdruck von Stil statt als demonstrativen Luxus erschienen liess. Und da nun dieser klassische Stil wieder in Mode ist, wirkt eine Monarch zu einem locker fallenden Anzug und einem feinen Strickpullover passender denn je.
Das heutige Pendant: Die 2026er Monarch teilt sich ihren Namen mit dem Original der 1990er, hat aber sonst nichts mit ihr gemein. Das California Zifferblatt ist das vielsagendste Detail: Die römischen Ziffern in der oberen Hälfte und arabischen Ziffern in der unteren gehören zu einem Format der frühen Militäruhren, das für maximale Lesbarkeit entwickelt worden war. Hinzu kommen ein facettiertes 39-mm-Gehäuse und eine kleine Sekunde. Mit einer Höhe von lediglich 11,9 mm gleitet die Uhr mühelos unter die Hemdmanschette und ist damit die richtige Uhr, um eine Geschichte darüber abzuschliessen, wo Tudor hergekommen ist und wohin die Reise zu führen scheint.

