Ein ikonisches Design aus der Feder Gérald Gentas

Curated Originals: Die Cartier Pasha Ewiger Kalender und der Geist der 1980er

Die 1980er waren ein Jahrzehnt, das von einer markanten Designsprache bestimmt war – von strukturierten Modesilhouetten über lebhafte Farbpaletten bis hin zu ausdrucksstarken Formen. Die Uhrenwelt folgte dieser Entwicklung nd brachte eine Welle von Zeitmessern hervor, die neben neuen Ästhetiken auch hochwertige Materialien, hohe Komplikationen und zunehmend ambitioniertes Kunsthandwerk erkundeten. 

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Hier kam Gérald Genta ins Spiel, der sich bereits einen Namen gemacht hatte, indem er mit Modellen wie der Audemars Piguet Royal Oak und der Patek Philippe Nautilus die Luxus-Sportuhr der 1970er Jahre prägte. Cartier wandte sich an den Designer und beauftragte ihn, ein neues Uhrenmodell zu entwerfen, das den Geschmack der damaligen Zeit einfangen würde und gleichzeitig mit dem zunehmend aktiven, reiseorientierten Lebensstil Schritt halten sollte. 

Das Ergebnis war die moderne Pasha. Auf den ersten Blick mag sie nicht wie eine traditionelle Sportuhr aussehen, aber in der Welt von Cartier nahm sie genau diese Rolle ein und führte gleichzeitig die unverwechselbare Designsprache der Maison fort. 

Die Ursprünge und die Designsprache der Cartier Pasha 

Die Ursprünge der Cartier Pasha werden oft in den frühen 1930ern zurückgeführt und mit einem Auftrag des Paschas von Marrakesch, Thami El Glaoui, in Verbindung gebracht. Er war ein bekannter Kunde von Cartier und bestellte gemäss der Überlieferung eine Armbanduhr, die sowohl für seine geliebte Aktivität des Schwimmens als auch für die Anforderungen des königlichen Lebens geeignet sein würde. Um den Wunsch zu erfüllen, entwickelte Louis Cartier eine elegante und dennoch wasserdichte Goldarmbanduhr mit Schutzelementen wie einer verdeckten Krone und einem Gitter über dem Zifferblatt. Diese Eigenschaften waren damals höchst ungewöhnlich.  

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Es war diese frühe wasserdichte Cartier-Uhr, zusammen mit der unvergänglichen Legende des Paschas von Marrakesch, die als Inspiration für Genta’s Version diente, die 1985 als Cartier Pasha debütierte. 

Das Design, charakterisiert durch sein rundes Gehäuse, wich von Cartiers traditionelleren Formen wie Quadraten und Rechtecken ab, während der Durchmesser von 38 mm bemerkenswert ausdrucksstark für die damalige Zeit wirkt. Mehrere Details wurden rasch zu charakteristischen Merkmalen des Modells. Die verschraubte Kappe über der Krone, verziert mit einem Saphir-Cabochon und gesichert durch eine kleine Kette, führte sowohl ein funktionales als auch visuell eindrucksvolles Element ein. 

Das Zifferblatt kombinierte ein kreisförmiges Layout mit einer quadratischen Minuterie im Zentrum, die von markanten arabischen Ziffern bei 12, 3, 6 und 9 Uhr umrandet wird. So entstand ein unverkennbares Zusammenspiel der Formen. Bandanstösse im Vendôme-Stil verbanden das Armband mit dem Gehäuse und unterstrichen den architektonischen Anschein der Uhr, während die drehbare Tauchlünette, die Wasserdichtigkeit bis 100 m und die gesamte Ausführung der Uhr auf sportlichere Intentionen hindeuteten. 

 

Der Kronenschutz

Eines der unverwechselbarsten Merkmale der Cartier Pasha ist ihre Kettenkrone, ein funktionales und sofort wiedererkennbares Designelement. Statt die Aufzugskrone direkt offenzulegen, verdeckt die Pasha sie mit einer verschraubten Kronenschutzkappe mit Saphir-Cabochon. Nimmt man den Kronenschutz ab, so findet man darunter eine kleinere Krone, die dazu dient, die Armbanduhr aufzuziehen und zu stellen.

Diese Canteen-Style-Ausführung knüpft an frühere Ansätze zur Steigerung der Robustheit aus den 1800ern an, als das Umschliessen der Krone als zusätzlicher Schutz vor Staub, Sand und Feuchtigkeit diente und sie vor Beschädigungen schützte. Die Kette am Kronenschutz sorgt dafür, dass die Kappe beim Öffnen sicher am Gehäuse befestigt bleibt und nicht verloren geht.

Während spätere Systeme, wie verschraubte Kronen, mehr Verwendung für Wasserdichtigkeit finden würden, blieb Cartier bei dieser erprobten Lösung. Auf diese Weise bewahrt die Pasha ein Design, das so funktional wie visuell unverwechselbar ist.

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Die ikonische verschraubbare Krone von Cartier.

 

Das verwendete Gold und Cartiers unverwechselbare Designelemente, darunter die Cabochon-besetzte Krone, die Schienenminuterie und die schwertförmigen Zeiger, sorgten gleichzeitig dafür, dass die Pasha stark in der Welt der Maison verankert blieb. Diese Spannung zwischen Funktionalität und Raffinesse verlieh der Armbanduhr ihren ganz eigenen Charakter und schuf die Grundlage für eine Kollektion, die später zunehmend komplexe Komplikationen in ihre Modelle aufnahm, darunter den Ewigen Kalender. 

Die Pasha Ewiger Kalender Ref. 30003 

Innerhalb der Pasha Modellreihe fällt die Referenz W3000351 als eine der technisch ehrgeizigsten Ausführungen des Designs auf. Sie wurde in den späten 1980ern vorgestellt und vereint die unkonventionelle Gehäusearchitektur der Kollektion mit einem Ewigen Kalender und einer Mondphasenanzeige, wodurch eine hohe Komplikation in ein Format eingebracht wird, das unverkennbar Cartier bleibt. 

Das 38-mm-Gehäuse aus 18 Karat Gelbgold bewahrt die charakteristischen Merkmale der Pasha, darunter die breite Lünette, die Vendôme Bandanstösse und den mit einem Saphir-Cabochon versehenen, geketteten Kronenschutz des Modells. Hier verschiebt sich der Fokus jedoch auf das Zifferblatt, auf dem die Komplexität des Kalenders aussergewöhnlich klar gestaltet ist. 

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Die drei Hilfszifferblätter geben Tag, Datum und Monat an und verfügen auch über eine Schaltjahranzeige. Eine Öffnung bei 12 Uhr gibt eine tiefblaue Mondphasenscheibe zu erkennen. Allen, die Gérald Gentas gleichnamige Armbanduhren mit Mondphasenscheibe jener Ära kennen, werden hier die Ähnlichkeiten in Grösse, Stil und Präsentation auffallen. 

Anders als frühere Pasha Modelle führt der Ewige Kalender klassische Cartier Designelemente wieder ein, einschliesslich der römischen Ziffern und der Schienenminuterie. 

Im Gegensatz zu einem anderen von Genta entwickelten Zeitmesser mit Ewigem Kalender, der Royal Oak Ewiger Kalender, wird die Referenz 30003 von einem Quarzwerk angetrieben. Dies war eine Entscheidung, die den Geist der Epoche widerspiegelt, in der die Referenz erschaffen wurde. Statt die Uhr zu beeinträchtigen, priorisiert diese Wahl Präzision und funktionale Zweckmässigkeit und sorgt dafür, dass die Kalenderanzeigen bei nur geringem Aufwand zuverlässig genau bleiben. Für den Ewigen Kalender, der aufwendig zurückzusetzen sein kann, sollte das Uhrwerk stehengeblieben sein, ist das besonders relevant. In diesem Kontext unterstreicht das Quarzwerk Cartiers Augenmerk darauf, technische Ambition mit praktischer Funktionalität und alltagstauglichem Design zu verbinden. 

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Die Pasha Ewiger Kalender Ref. 30003 fängt einen Moment ein, als Cartier gewillt war, mit Form und Funktion zu experimentieren. Indem sie hohe Komplikationen mit einem ihrer unkonventionellsten Design gepaart hat, erschuf die Maison eine Armbanduhr, die sowohl unerwartet als auch vollständig kohärent wirkt. Die Kombination des quarzgesteuerten Ewigen Kalenders, der auffälligen Gehäuseform und des Zifferblatts, das zwischen Klarheit und Komplexität die Waage hält, verleiht dieser Referenz einen Charakter, der schwer nachzuahmen ist. Noch Jahrzehnte später bleibt dies ein prägnantes Beispiel für Cartiers Herangehensweise an Komplikationen: nicht nur von Tradition, sondern auch von Design geleitet.