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Die Omega Seamaster 600 Ploprof Referenz 166.077: Die ultimative Taucheruhr der 1970er Jahre

In der Welt der professionellen Taucheruhren waren nur wenige Modelle so kompromisslos konstruiert wie die Omega Seamaster 600 „Ploprof“ Referenz 166.077. Vorgestellt im Jahr 1969 während des Aufkommens des Sättigungstauchens, wurde die Ploprof entwickelt, um extremen Tiefen und Heliumbelastung standzuhalten. Mit ihrem Monobloc-Gehäuse, dem verriegelbaren Lünettensystem und dem markanten asymmetrischen Design gilt die Omega Seamaster 600 bis heute als eine der technisch ambitioniertesten und begehrtesten Vintage-Taucheruhren überhaupt.

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Im September 1970 tauchten drei COMEX-Taucher im Golf von Ajaccio ab und verbrachten acht Tage in einer Tiefe von 253 m, wo sie im Rahmen der Operation Janus II, einem rekordverdächtigen Experiment im Sättigungstauchen, lebten und arbeiteten. Jeder von ihnen trug das gleiche Werkzeug am Handgelenk: die Omega Seamaster 600 Ref. 166.077. Die Uhr wurde für diese neue Dimension der Tiefseearbeit entwickelt und lange bevor sie jemals mit Salzwasser in Berührung kam, getestet. Omegas Ingenieure hatten sie bereits zuvor simulierten Druckeinwirkungen, die einer Tiefe von 914 m Tiefe entsprachen, ausgesetzt.

Die Seamaster 600 Ref. 166.077, die bald als Plopro bekannt wurde (aus dem Französischen für Plongeur Professionnel, was «Berufstaucher» bedeutet), wurde nicht entwickelt, um in der Freizeit getragen zu werden. Ähnlich wie die Rolex Submariner COMEX, die einige Jahre später folgte, war die Omega Seamaster Ploprof so gefertigt worden, um extremen Druckveränderungen und Heliumbelastungen während Sättigungstauchgängen standzuhalten. Wenige Uhren in Omegas Geschichte der Funktionsuhren wurden für so einen spezifischen Zweck geschaffen. Die Seamaster 600 wurde 1969 auf der Basler Messe erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Februar 1971 folgte eine offizielle Pressemitteilung, in der angekündigt wurde, dass sie noch im selben Jahr in den Handel kommen würde.

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Als Omega in den 1960ern mit der Entwicklung der Seamaster 600 begann, orientierte sich die Marke nicht an einem bestehenden Design. Sie entwickelte von Grund auf ein neues professionelles Instrument. Das Ziel war es, eine Uhr zu kreieren, die unter den Bedingungen des Sättigungstauchens zuverlässig funktionieren würde. Omegas Marine-Team, geleitet von Frédéric Robert, durchdachte jeden Fertigungsaspekt, um dies zu erreichen.

Das Gehäuse wurde zum Fundament des Projekts. Statt auf ein konventionelles mehrteiliges Design zu setzen, entschied sich Omega für ein einschaliges Gehäuse, das aus einem einzigen Stück Stahl herausgearbeitet wurde. Dadurch konnte ein Hauptschwachpunkt beseitigt werden und das Uhrglas, die Dichtungen und Hohlräume im Uhrwerk verstärkten die Gehäusestruktur zusätzlich. Mit steigendem Druck wurden die Dichtungen stärker komprimiert und verbesserten damit die Sicherheit in der Tiefe. In frühen Tests experimentierte Omega mit Titan, wählte schlussendlich aber eine hochmolybdänhaltige Edelstahllegierung, die später aufgrund ihrer Korrosionsbeständigkeit bei andauerndem Kontakt mit Salzwasser und während des Schweissens unter Wasser als 904L bekannt wurde. Wie der Name vermuten lässt, trägt die Seamaster 600 eine offizielle Tiefenklassifizierung von 600 Metern oder 2’000 Fuss.

Das asymmetrische 55 mm breite Gehäuse der Ploprof war vollständig auf Funktionalität ausgelegt. Die Krone befand sich auf der linken Seite und war in ein Schutzgehäuse eingelassen. Anders als herkömmliche verschraubte Kronen verwendete die ursprüngliche Ploprof eine quadratische Endplatte, die die Krone gegen das Gehäuse festzieht. Der Taucher löste zuerst die kleine quadratische Platte, konnte dann mit der Krone Zeit und Datum einstellen und dichtete die Krone dann durch Festschrauben der Endplatte wieder ab.  Dieses System verhinderte ein versehentliches Verstellen der Krone während der Arbeit in der Tiefe. Der leuchtend rote Drücker auf der rechten Gehäuseseite steuerte den Verschlussmechanismus der Lünette. Die Lünette bewegte sich erst, wenn der Taucher ihn betätigte. Dadurch wurde das Risiko reduziert, die verstrichene Tauchzeit falsch zu berechnen.

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Das Zifferblatt folgte derselben Philosophie. Omega produzierte es in mattem Schwarz oder tiefem Marineblau, um einen maximalen Kontrast in Umgebungen mit schlechter Sicht zu erzielen. Die typischen grossen «plonguer»-Zeiger, darunter der übergrosse, orange Minutenzeiger, garantierten zusammen mit der mit Leuchtmasse versehenden Lünette ein schnelles Ablesen der verstrichenen Zeit. Grosszügig aufgetragenes Tritium auf den Zeigern und Indizes ermöglichte eine hohe Lesbarkeit während der langen Schichten im Dunkeln. Eine klar strukturierte Minutenskala umrandete das Zifferblatt und ein Datumsfenster bei 3 Uhr bot Alltagstauglichkeit, ohne die Lesbarkeit einzuschränken.

Omega bot die frühen Ausführungen der Seamaster 600 mit langen Isofrane-Gummi-Armbändern an, die für ihre Flexibilität, Langlebigkeit und Beständigkeit gegenüber Salzwasser geschätzt wurden. Die Farbpalette der Uhrenarmbänder reichte von schwarz über blau und rot bis hin zu einem leuchtenden Gelb, das Berufstaucher bevorzugten. Käufer, die eine Metallversion bevorzugten, konnten ein Edelstahlarmband als Upgrade wählen. Ab 1975 war die Ploprof mit einem grossmaschigen Mesh-Stahlband erhältlich, das an ein Hai-Kettenhemd erinnert. Mit der Zeit ist dieses Armband zum Erkennungszeichen des Modells geworden.

Das Uhrwerk wurde von der Zifferblattseite eingefügt und unter einer dicken Saphirglasschicht sicher befestigt, sodass es grossem Druck standhielt. Anfängliche Prototypen griffen auf das Kaliber 1000 zurück, wohingegen später produzierte Modelle, darunter die im Einzelhandel verkauften, das Kaliber 1002 verwendeten. Das Automatikwerk schlug 28'800-mal pro Stunde und verfügte über einen sofortigen Datumswechsel um Mitternacht – damit bereicherte es die hochspezialisierte Uhr um einige praktische Funktionalitäten.

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Eine frühe Portugieser Ref. 325, angetrieben vom IWC-Kaliber 74. © Phillips

Jede Komponente der Seamaster 600 Ref. 166.077 war spezialgefertigt – das machte sie zu einer der technisch ambitioniertesten Taucheruhren ihrer Zeit. Die Produktion der ursprünglichen Seamaster 600 wurde 1979 eingestellt. Damit ging ein Kapitel zu Ende, das von kompromissloser Ingenieurleistung und echter Anwendung im Arbeitsumfeld geprägt war. Doch die Beliebtheit der Uhr wuchs stetig weiter. Taucher, Sammler und Historiker erachten die Vintage Ploprof noch heute als eines der am stärksten einsatzorientierten Designs der Marke – ein Werkzeug, das für einen ganz bestimmten Moment in der Geschichte der Unterwasserarbeit geschaffen wurde. Die Neuauflage im Jahr 2009 unterstreicht dieses Erbe. Die moderne Interpretation würdigt das Original und erinnert die Uhrenwelt gleichzeitig daran, warum die erste Ploprof zu einem bleibenden Massstab wurde.