Curated Originals

Die IWC Schaffhausen Portugieser "125 Year Anniversary" Referenz 5441

In der Welt der Haute Horlogerie dient die Vergangenheit häufig als Inspirationsquelle. Selten jedoch gibt eine einzelne Vintage-Referenz Anlass zu einer ganzen modernen Kollektion. Doch die IWC Portugieser Ref. 5441, auch bekannt als Portugieser Jubilee, hat genau das getan. Diese Reihe in limitierter Auflage, die in den frühen 1990ern anlässlich IWCs 125-jährigen Jubiläums erschien, machte ein lang vergessenes Design einer neuen Generation zugänglich und legte so die Grundlage für eine der beständigsten und begehrtesten Uhrenfamilien. 

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Die Entstehungsgeschichte der Portugieser reicht in die späten 1930er zurück, als eine besondere Anfrage aus Portugal kam: eine Armbanduhr mit der Präzision eines Marinechronometers und der Grösse einer Taschenuhr. Statt ein von Grund auf neues Uhrwerk zu entwickeln, griff das Haus IWC auf sein bereits bestehendes Kaliber 74 zurück – ein Handaufzugswerk für Taschenuhren, das für seine schmale Form und ausgezeichnete Leistung bekannt ist. Das Ergebnis war die IWC-Referenz 325, die mit einem grossen Edelstahl-Gehäuse, einem matten, versilberten Zifferblatt, arabischen Ziffern und schlanken, lanzenförmigen Zeigern ausgestattet ist. Mit ihren überdimensionalen Abmessungen, ihrem klaren Layout und ihrem präzisen Uhrwerk war sie anders als alle anderen Uhren, die zu dieser Zeit hergestellt wurden. Schätzungen zufolge wurden von 1939 bis 1981 nur 690 IWC-Referenz 325 Uhren hergestellt, die mit drei immer weiter verfeinerten Uhrwerken ausgestattet waren: dem Kaliber 74, dem Kaliber 98 und dem Kaliber 982. 

IWC Portugieser 325 Calibre 74
Eine frühe Portugieser Ref. 325, angetrieben vom IWC-Kaliber 74. © Phillips

Für sein 125-jähriges Jubiläum im Jahr 1993 hauchte IWC jenem Design durch die Referenz 5441 neues Leben ein und nannte es offiziell den «Portugieser» als Hommage an das Land, aus dem der einstige Auftrag gekommen war. So wie das Ursprungsmodell verfügt auch die Portugieser Ref. 5441 über ein 42 mm grosses Edelstahl-Gehäuse, ein mattes, silberfarbenes Zifferblatt, arabische Ziffern, eine Minutenskala und eine kleine Sekunde bei 6 Uhr. Sogar der charakteristische “International Watch Co. Schaffhausen”-Schriftzug wurde der damaligen Typografie getreu nachgebildet. Das Gehäuse ist mit nur 10,4 mm recht schlank und verleiht der Uhr trotz ihres grossen Durchmessers ein elegantes Profil. Wann immer möglich verwendete IWC Originalwerkzeuge, um die Einzelteile der modernen Version zu fertigen. Es wurden einige subtile Neuerungen eingeführt, darunter aufgesetzte Ziffern für die Stundenanzeige, feine Kreiskörnung auf dem eingelassenen Hilfszifferblatt der Sekunden und aufgesetzte Punkte in Nieten-Optik als Stundenindizes.

Diese Portugieser Jubilee wurde als Trilogie limitierter Auflagen herausgebracht: 1000 Stück in Edelstahl, 500 in Roségold und 250 in Platin. Bemerkenswert ist, dass 125 Stück pro Metall für Dreier-Sets reserviert wurden, die jeweils eine Uhr aus jedem Material enthalten, alle mit passenden Editionsnummern und präsentiert in einer speziellen Box. Das Edelstahlmodell zeichnet sich durch seine roségoldenen Zeiger und applizierten Stundenmarkierungen aus, die einen warmen Kontrast zu den kühlen Tönen des Gehäuses und des Zifferblatts bilden. Die Versionen in Roségold und Platin hingegen verfügen über Zeiger und Markierungen, die farblich auf das Gehäusematerial abgestimmt sind, was zu einem einheitlicheren Erscheinungsbild führt. Alle drei Varianten sind mit Lederarmbändern ausgestattet. 

Angetrieben wird die Referenz 5441 von dem Kaliber 9828, eine modernisierte Version des Kalibers 74. Mit seiner traditionellen Architektur und der grosszügigen Gestaltung füllt dieses Kaliber das Gehäuse wunderschön aus und bleibt in seiner Essenz ein Uhrwerk für Taschenuhren. Das Werk, das durch den Saphirglasboden hindurch sichtbar ist, verfügt über eine Breguet Spiralfeder, eine Schwanenhals-Feinregulierung und hochwertige Verzierungen wie Genfer Streifen, abgeschrägte Kanten und Goldchatons. Dieses mit 19 Juwelen ausgestattete Savonette Uhrwerk mit Handaufzug oszilliert mit 18'000 Halbschwingungen pro Stunde und bietet 54 Stunden Gangreserve. Bei einem Savonette Uhrwerk befindet sich die kleine Sekunde typischerweise bei 6 Uhr, um 90 Grad versetzt von der Aufzugswelle bei 3 Uhr. Die bewusste Wahl eines Taschenuhren-Kalibers für die Portugieser Jubilee 5441 unterstreicht die historische Kontinuität dieses Projekts.

Der Erfolg der Referenz 5441 führte ein Design wieder ein, das lange ausserhalb des Mainstreams existiert hatte und bestätigte damit, dass es eine Nachfrage nach großen, klar gestalteten Uhren gab, die sowohl historische Substanz als auch zeitgenössische Anziehungskraft besitzen. Dies war der Auslöser für die Wiederbelebung der Portugieser Reihe in den darauffolgenden Jahrzehnten, die schliesslich sämtliche Uhrentypen von Chronographen und Jahreskalendern bis zu Minutenrepetitionen und ewigen Kalendern miteinschloss. Sie alle sprechen die gleiche Formensprache, die mit dem Original eingeführt worden war. 

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Auch wenn die Referenz 325 am Anfang stand, so ist es die Referenz 5441, die einen wenig bekannten historischen Zeitmesser zu einer der massgebendsten IWC Markteinführungen der letzten 30 Jahre gemacht hat. Folglich ist die heutzutage als Neo-Vintage geltende Portugieser Jubilee eine der unter Sammlern und Sammlerinnen begehrtesten mechanischen IWC-Uhren. Damit gehört sie zur Generation jener mechanischen Uhren, die auf die Quartzkrise der 1970er und 1980er folgte, als viele Uhrenhersteller sich von der traditionellen Uhrmacherei entfernten und batteriebetriebene Uhrwerke einführten. Die Bedeutung dieser Armbanduhr liegt nicht nur in ihrer limitierten Stückzahl, sondern darin, dass sie es war, die die Portugieser Reihe bekannt machte.

In vielerlei Hinsicht verdeutlicht die Portugieser Jubilee Ref. 5441, wie die Neuinterpretation eines Klassikers im besten Fall sein kann. Sie fängt die Essenz des Originals ein und fügt mit Zurückhaltung, wo angemessen, durchdachte Neuerungen hinzu. Sie würdigt die Vergangenheit, anstatt sie in den Schatten zu stellen und sichert damit ihre eigene Zukunft.