Atelier
Wo Edelsteine gefasst werden
Beim Edelsteinfassen kommen Geduld, Erfahrung und technische Präzision zusammen. Jeder Handgriff entscheidet darüber, wie ein Schmuckstück später wirkt. Nach über drei Jahrzehnten an Erfahrung lässt sich Senior Edelsteinfasser Benno Bühlmann nicht aus der Ruhe bringen und fasst für Bucherer Fine Jewellery Edelsteine – mit sicherer Hand und einem Blick fürs Detail.
Porträt von Ivo Müller.
6 Minuten

F: Können Sie mir ein wenig darüber erzählen, wie Sie Edelsteinfasser geworden sind und wann Sie bei Bucherer angefangen haben?
A: Meine Faszination für Edelsteine begann schon in jungen Jahren. Ich wusste immer, dass ich etwas mit den Händen machen wollte. Also suchte ich nach einer Lehrstelle, in der ich ein Handwerk erlernen und gleichzeitig mit kostbaren Materialien arbeiten konnte. Ich habe vor 35 Jahren bei Bucherer angefangen – ich bin seit Beginn meiner Laufbahn hier.
F: Das Thema dieser Magazinausgabe sind Diamanten. Welche besonderen Überlegungen stellen Sie an, wenn Sie Diamanten fassen – im Vergleich zu anderen Steinen?
A: Es spielt keine Rolle, ob ich Diamanten oder Farbedelsteine fasse – beides sind Naturprodukte, und das ist wichtig zu verstehen. Sie unterscheiden sich in Eigenschaften wie Härte, Spaltbarkeit und Seltenheit und besitzen ein unterschiedliches „Innenleben“ in Form von Einschlüssen. Ich erhalte die Edelsteine in geschliffenem Zustand, und erst dann sehe ich, wie ich vorgehen und wie ich sie sicher in die Fassung einarbeiten muss.
F: Wie bringen Sie Präzision und Kunstfertigkeit in Ihrer Arbeit in Einklang? Denken Sie, dass Edelsteinfasser eine eigene ästhetische Handschrift haben können?
A: Die Kunst unseres Handwerks liegt in der Präzision. Wir arbeiten mit einer Genauigkeit von einem Zehntelmillimeter – oder noch weniger. Und das ausschliesslich mit unseren Händen und Augen. Der Edelsteinfasser hinterlässt seine Handschrift in der Art, wie er seine Werkzeuge führt. Bei Bucherer Fine Jewellery zeigt sich diese Handschrift durch unsere besondere Liebe zum Detail noch deutlicher.
F: Glauben Sie, dass Sie Ihre eigene Arbeit erkennen würden?
A: Davon bin ich überzeugt. Jede Fassung trägt eine eigene Handschrift. Ich könnte auch die Arbeiten meiner Kolleg*innen eindeutig unterscheiden.
Die Kunst unseres Handwerks liegt in der Präzision.

F: Gab es ein besonders eindrückliches oder anspruchsvolles Schmuckstück – vielleicht mit einem ungewöhnlichen Stein oder einer besonderen Geschichte –, an dem Sie gearbeitet haben?
A: Ein aussergewöhnliches Stück war ein Platinring mit einem Smaragd von 18,88 Karat (eine Anspielung auf das Jahr 1888, in dem Bucherer gegruendet wurde). Der Ring war vollständig mit Diamanten in einer anspruchsvollen Technik gefasst, sodass nur die Steine sichtbar waren. Die Kundin mochte das Schmuckstück sehr, aber der Ring passte ihr nicht. Das bedeutete, dass alle Steine entfernt und der Ring fuer sie neu angepasst werden musste. Die Verantwortung, den Smaragd und die Diamanten mit genau derselben Sorgfalt und Präzision erneut zu fassen, war eine echte Herausforderung. Man muss bedenken, dass dieses Schmuckstück besonders kostbar war.
F: Haben Sie eine bevorzugte Fassungsart für Diamanten – etwa Zargen-, Krappen-, Pavé- oder Spannfassung? Und weshalb?
A: Ich bevorzuge die Pavé-Fassung. Diese Technik ist besonders anspruchsvoll. Es braucht viel Erfahrung, eine Fläche mit Steinen so aufzuteilen, dass sie die Wirkung eines Schmuckstücks unterstreicht. Wir bestimmen die Position und Grösse der Steine entsprechend dem Design. Die Pavé-Fassung erfordert höchste Präzision: Wenn ich zu viel bohre, fräse oder schneide, passt der Stein nicht mehr in die Fassung oder es bleibt zu wenig Metall übrig, um ihn sicher zu halten. Jeder einzelne Stein wird von Hand positioniert und gefasst. Genau das macht diese Technik so faszinierend und vielseitig.
F: Wie arbeiten Sie mit dem Designteam und dem Goldschmiede-Team zusammen, um sicherzustellen, dass ein Diamant nicht nur sicher sitzt, sondern auch optimal zur Geltung kommt?
A: Wir teilen unsere Erfahrungen und geben unser Fachwissen im Team weiter. So kann das Designteam neue Ideen ausprobieren, und wir können im Voraus klären, was beim Fassen von Edelsteinen möglich ist – und was nicht. Ausserdem stimmen wir uns eng mit den Goldschmieden ab, damit eine Fassung oder ein Schmuckstück die optimale Metallstärke für unsere Arbeit hat. So entstand beispielsweise in der Skyline-Kollektion von Bucherer Fine Jewellery eine Fassung, die dem Edelstein eine besondere Ausstrahlung verleiht und ihn klar von dem abhebt, was üblicherweise auf dem Markt zu finden ist.

