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Der Alpinist zwischen Handwerk und Höhen
Die Welt der Fine Jewellery ist oft von einer gewissen Formstrenge geprägt, die eine viel spannendere Wahrheit verdeckt: die vielfältigen Lebenswelten der Menschen hinter dem Handwerk. Ihre Interessen ausserhalb des Ateliers bringen neue Impulse und inspirieren ihr Handwerk. Einer dieser Persönlichkeiten ist Stefano Wittmer – unter der Woche Goldschmied, am Wochenende Extremalpinist.
Landschafsbilder von Stefano Wittmer.
6 Minuten

Portrait von Ivo Müller

Stefano kam vor einem Jahr zu Bucherer und begann damit das neueste Kapitel einer inzwischen 27-jährigen Karriere. Nach seinem Studium und seiner Lehre in Horgen reiste der Schweizer für sechs Monate nach Australien, um Englisch zu lernen. Aus sechs Monaten wurden 25 Jahre, in denen Stefano ganz in seinem Handwerk aufging, sein eigenes Schmuckunternehmen führte und schliesslich die kurzfristige Entscheidung traf, mit 45 Jahren in den Ruhestand zu gehen und in die Schweiz zurückzukehren.
Während dieser kurzen Auszeit von der Schmuckwelt fand Stefano eine neue Erfüllung in der Natur – vor allem beim Bergsteigen und Radfahren – bevor er seine Entscheidung überdachte. „Mir wurde klar, dass ich einfach zu jung war, um nichts zu tun“, erklärt er. Als er in die Branche zurückkehrte, tat er dies mit einem einzigen Ziel: „Mein Fokus lag ausschliesslich darauf, zu Bucherer Fine Jewellery zu kommen“, sagt er stolz. Bucherer, bereits mit seiner Arbeit vertraut, hiess ihn gerne willkommen.



Als Person verkörpert Stefano wohl am ehesten das Sprichwort „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband“ – und in seinem Fall ist dieser Einband stark tätowiert. Auch wenn er nicht dem klassischen Bild eines Goldschmieds der feinen Schmuckkunst entspricht, ist es gerade sein Leben ausserhalb der Werkstatt, das alle Erwartungen übertrifft. „Ich würde mich wahrscheinlich als Alpinist bezeichnen. Ich besteige und überquere Berge in gemischtem Gelände – Gipfel, die auf beiden Seiten tausend Meter abfallen – und vieles davon ist ungesichert. Ausserdem klettere ich Eisfälle“, sagt er beinahe nebenbei.
Kaum zwei Tätigkeiten scheinen gegensätzlicher zu sein als Alpinismus und Goldschmiedekunst, zumindest was den Massstab betrifft. Für Stefano liegt die Verbindung jedoch in der Vorbereitung. „Die Art und Weise, wie wir ein Projekt von Anfang bis Ende planen, bis ins kleinste Detail – genau denselben Ansatz nutzen wir, wenn wir ein neues Abenteuer vorbereiten, wie wir es gerne nennen“, erklärt er. Auch wenn die physischen Risiken der Goldschmiedekunst vergleichsweise gering sind, verlangen beide Disziplinen vollkommene Konzentration. „Man muss wirklich präsent sein. Wenn man Metall von Hand auf ein Zehntelmillimeter genau schneidet, braucht man absolute Fokussierung und muss alles andere ausblenden. Beim Klettern auf einen Berg oder einen Eisfall ist es genauso“, sagt er.
Was das fertige Stück letztlich ist oder ob es Diamanten enthält, spielt dabei kaum eine Rolle. „Jeder Auftrag, gross oder klein, unabhängig vom Preis oder den verwendeten Steinen, erhält dieselbe Aufmerksamkeit. Das ist etwas, das ich unseren Lernenden vermitteln möchte“, sagt er. „Diese unerschütterliche Hingabe zum Detail ist ein wesentlicher Teil der Philosophie von Bucherer Fine Jewellery.“

